Vortragsreihe "Flüchten oder Standhalten?"
Donnerstag, 1. März 2007
in Kultur

Hartmut Spieker, Michael Dömer und Iris Minder
Pfarrer Hartmut Spieker, der dieses Jahr pensioniert wird, wollte sich selbst mit dieser Vortragsreihe ein „Abschiedsgeschenk“ machen. In der Bibel wird Gott als erlösendes, gütiges Wesen dargestellt. Einzig in dem kleinen Buch Hiob wird ein vollkommen anderes Bild von Gott aufgezeigt. Es sei faszinierend, wenn die Bibel, welche eigentlich als das Buch Gottes gedacht sei, eine Figur enthalte, die alles in Frage stelle, so Spieker selbst.
Ausserdem werde die Figur des Hiobs auch heutzutage immer wieder aufgenommen. Goethe zum Beispiel habe ihn als Faust wieder auferstehen lassen und in der Gegenwart war es C. G. Jung, der in seinem Buch „Die Antwort auf Hiob“ über Menschen schreibt, welche ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Laut Jung habe das Christentum eine Therapie nötig. Gott werde immerzu als gütiges Wesen aufgezeigt, die böse Seite werde ständig ausgeklammert. Hiob aber hat die dunkle Seite kennen gelernt.
Menschen hätten Mühe, sich mit ihren dunklen Seiten auseinander zu setzen, wenn in der Bibel zu wenig darüber geschrieben werde, sagt der Psychoanalytiker Michael Dömer. In der heutigen „Spassgesellschaft“ sei es den Menschen nicht mehr erlaubt, traurig zu sein oder Schlimmes zu erleben. Nun sollen in der Vortragsreihe, die am Freitag, den 2. März beginnt, verschiedene Referate und sogar ein Konzert darüber Aufschluss geben, welche unterschiedlichen Darstellungsmöglichkeiten dieser Figur es gibt.
Spassgesellschaft und Umgang mit Problemen
Der erste Vortrag diesen Freitag, 2. März, um 19.30 im Zwinglihaus von Professor Walter Dietrich beschäftigt sich mit Ethikfragen im Alten Testament. Am Mittwoch, den 14. März hält Michael Dömer einen Vortrag über C.G. Jungs Ansichten des Hiob. Die deutsche Professorin Henriette Herwig hält am Dienstag, 27. März, um 19.30 Uhr im Zwinglihaus einen Vortrag über Faust und ob er eventuell ein neuer Hiob sein könnte. Ebenfall im Zwinglihaus hält Dr. Rainer Funk am 26. April einen Vortrag über die Hiobsfrage in der heutigen „Spassgesellschaft“. „Wie gehen postmoderne Leute mit ihren Problemen um?“ ist dabei die Leitfrage. Ein spezielles Ereignis für die Ohren ist ganz bestimmt der Vortrag über Hiob und Faust, der in der Zwinglikirche durchgeführt wird. Am Mittwoch, 16. Mai spielt der bekannte Organist Rudolf Lutz aus St. Gallen Improvisationen über Ausschnitte aus der Hiobsgeschichte und Goethes Faust. Abgeschlossen wird die Serie am Mittwoch, den 23. Mai mit einem Vortrag über Hiob und Faust in der bildenden Kunst von Professor Dr. F. Mennekes aus Köln. Der Jesuitenpfarrer hat einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht, indem er aus einer Jesuitenkirche eine Kunststation geschaffen hat und damit auf Protest aus Rom gestossen ist. Der damalige Kardinal Ratzinger, heute Papst Benedikt XVI, hat sich sehr gegen diese Ummodulierung der Kirche gewehrt.



