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Lingeriz: Resultate der Quartierbefragung

Donnerstag, 7. Juni 2007 in Familie, Verschiedenes
(Sabine Waelti) Die Resultate der Lingeriz-Quartieranalyse sind da. Auch in den künftigen Phasen des Projekts „Läbigs Lingeriz“ ist der Einsatz der Bewohnerinnen und Bewohner gefragt.
Wie wohl fühlen sich die Menschen im Lingeriz? Ist das Quartier wirklich so schlecht wie sein Ruf? Das wollte die Stadt Grenchen mit Unterstützung der Hochschule für Soziale Arbeit Luzern (HSA) herausfinden. Im Rahmen einer Quartieranalyse wurden Bewohnerinnen und Bewohner des Grenchner Lingeriz-Quartiers, Eigentümer der Liegenschaften im Lingeriz und aussenstehende Personen aus Politik und Wirtschaft befragt. Die Umfrage ist Teil des Projekts „Läbigs Lingeriz – Quartierentwicklung und Integration“. Das Projekt soll das Grenchner Quartier fördern und sein angeschlagenes Image positiv beeinflussen.

Wohnlage und Mietzinse werden geschätzt

Nun sind die Umfrageresultate da. Vergangenes Wochenende haben Emanuel Müller und Beatrice Durrer von der HSA diese Resultate den Lingeriz-Bewohnerinnen und -Bewohnern präsentiert. Befragt worden waren über hundert Menschen aller Altersgruppen und unterschiedlicher Nationalitäten. Ein Grossteil von ihnen schätzt die ruhige Wohnlage, die grüne Umgebung und die günstigen Mietzinse. Im Quartier müsse man keine Angst haben – dieser Punkt wurde vor allem von Frauen genannt. Und am Infoanlass sagte ein Bewohner zum negativen Image des Quartiers: „In unserem Haus haben wir ein gutes Verhältnis zwischen Schweizern und Ausländern. Wir Leute aus dem Lingeriz denken nicht unbedingt, dass wir in einem schlechten Quartier wohnen.“


Dennoch gibt es einige Punkte, welche eine Mehrheit der Befragten verbesserungswürdig findet. Eine Gruppe Kinder aus dem Lingeriz stellte ihre Wünsche gleich selber vor: Neue Spielgeräte und sauberer Sand auf dem Spielplatz – Dies stand ganz oben auf der Wunschliste. Ein Fussballfeld wünschen sich sowohl Kinder als auch Jugendliche.
Alle Altersklassen wünschten sich, dass das Quartier sauberer und aufgeräumter sein soll. Einige Schweizer und gut integrierte Ausländer wünschen sich, dass Menschen, die weniger gut integriert sind, Deutschkurse und Kurse betreffend Verhaltensregeln besuchen würden.

Sechs Entwicklungsschwerpunkte

Anhand der Umfrageergebnisse hat die HSA sechs Entwicklungsschwerpunkte herausgearbeitet: 1. Eine leer stehende Grünfläche wird von den Eigentümern als Freiraum zur Verfügung gestellt. Die Menschen aus dem Quartier sollen mitbestimmen, was mit diesem Platz geschieht. 2. Die öffentlichen Räume sollen ordentlicher werden. Massnahmen gegen unsorgfältig entsorgten Abfall, gegen ohne Marken deponiertes Sperrgut und gegen Hundekot sind gefragt. 3. Der Spielplatz soll in neuem Glanz erscheinen. 4. Die Aussenräume und der Strassenraum sollen aufgewertet werden. Ein erster Schritt wurde mit der Einführung von Tempo 30 bereits getan. 5. Es soll mehr Spiel- und Aufenthaltsräume für Kinder und Jugendliche geben. Auch sollte es mehr ausserschulische und familienergänzende Betreuungsmöglichkeiten geben. 6. Zusammenleben und Geselligkeit sollen gefördert werden.

Und wie geht es nun weiter? Der nächste Schritt wurde gleich an der Infoveranstaltung getan. Rund zwanzig Leute sammelten in Kleingruppen Ideen zu den sechs genannten Punkten – zu den Gruppen zählten vor allem Bewohnerinnen und Bewohner des Lingeriz, aber auch Stadtpräsident Boris Banga und Albert Weibel, Integrationsdelegierter des Kantons Solothurn. Mit grossem Engagement trugen die Beteiligten Ideen zusammen. Und diese waren reichlich vorhanden. So wurden etwa Toiletten für den Spielplatz gewünscht. Die Gruppe, die sich mit der Abfallentsorgung befasst hatte, schlug unter anderem vor, mehrsprachige Infos zur Abfalltrennung aufzuhängen. Und wenn es nach einer weiteren Gruppe geht, wird es bald einen FC Lingeriz geben.

Lingeriz-Fest

Diese und viele andere Ideen nehmen die Fachleute von der HSA mit und werden sie in die weitere Projektplanung einfliessen lassen. Für die Arbeit an den Entwicklungsschwerpunkten ist auch in Zukunft der Einsatz der Menschen aus dem Lingeriz gefragt. Und einige von ihnen zeigten spontan Interesse daran, sich in den nächsten Schritten bei einem der sechs genannten Punkte mitzuarbeiten. Für den letztgenannten Themenbereich – Geselligkeit fördern – wurde gleich im Anschluss an die Infoveranstaltung etwas getan: Der Verein Granges Mélanges lud zum Lingeriz-Fest ein.


Obwohl sich nur ein sehr kleiner Anteil der 1500 Menschen aus dem Lingeriz an der Infoveranstaltung beteiligt hat, zeigte sich Emanuel Müller von der HSA zufrieden: „Ich möchte nicht moralisieren. Ausserdem wird für uns nicht alles sichtbar, was im Quartier sonst noch an Engagement läuft. Heute waren Leute da, die haben sich engagiert und mitgedacht. Darauf kann man aufbauen.“ Erfreut zeigte sich Müller auch über die aktive Beteiligung der Liegenschaftsbesitzer. Diese haben sich zu einer Arbeitsgruppe zusammen geschlossen. Ebenso schätzte er den Einsatz der Schulen: „Es war spannend, zu sehen, dass die Kinder in ihrer eigenen Sprache oft die gleichen Dinge wie die Erwachsenen sagten.“

Weitere Lingeriz-Bewohnerinnen und -Bewohner, welche sich gerne im Rahmen des Projekts für ihr Quartier einsetzen möchten, können sich an Herrn Jürg Iseli von der Baudirektion Grenchen wenden: 032 654 67 67.

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