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KOLUMNE: Schnurlose Telefone

Montag, 5. Februar 2007 in Kolumnen

(Paul-Georg Meister) - Ich will nicht von den guten alten Zeiten schwärmen. In meinem Alter hat man den Hang dazu, alles, was mehr als 25 Jahre zurückliegt, durch die rosa Brille zu sehen. Ich meine, die Rekrutenschule war damals härter, die Kameradschaft besser. Die Luft konnte man atmen und auf der Strasse Fussball spielen.
Aber wie gesagt, ich will nun nicht damit anfangen.

Doch ich erinnere mich an eine ganz schöne Zeit, die auch schon einige Jahre zurückliegt: an die Zeit, als die Telefone noch nicht schnurlos waren. Wenn damals das Telefon klingelte, stand man auf, ging zum Telefontischchen oder zur Kommode, nahm den Hörer ab und konnte ein Telefongespräch beginnen.

Und heute? Heute ist alles anders. Wir haben in unserer Familie drei (3!) schnurlose Telefone. Und wenn uns jemand anruft, dann bricht Hektik aus. Die Kinder schiessen wie Raketen in die Höhe, reissen den Stapel Altpapier auseinander, wühlen im Abfallsack oder in der Geschirrschublade und dann und wann sogar in der Gefriertruhe. Doch die Telefone bleiben unauffindbar.

Zwar klingelt es aus allen Ecken und in jedem Stockwerk unserer Wohnung, doch die Schnurlosen sind verschwunden. Sie liegen nicht unter dem Stapel frisch gewaschener Unterhosen, noch sind sie in der Kaffeedose, sie sind auch nicht in einem Mantelsack und schon gar nicht im Spülkasten des WC.

Sie sind v e r s c h w u n d e n!

Und so hört irgendwann das Klingeln wieder auf, doch die Hektik legt sich nicht. Nun muss man nämlich herausfinden, wer die Telefone das letzte Mal benutzt hat und hie und da findet man sogar eines – in ganz wenigen Ausnahmefällen sogar zwei. Die nützen allerdings überhaupt nichts, denn die Akkus sind entladen, und so wandern sie auf die Ladestation, ehe man damit wieder einen Anruf entgegennehmen kann.

Dazu kommt es aber nie, denn, kaum klingelt bei uns zu Hause das Telefon, schiessen die Kinder wie Raketen in die Höhe, reissen einen Stapel Altpapier auseinander … (Rest, siehe oben)

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