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LESERBRIEF: Die neuen Aussätzigen

Freitag, 6. Juli 2007 in Leserbriefe
(Christoph Feremutsch, Grenchen) Vom 11. bis zum 18. Jh. betrieben die Städte und Gemeinden Siechenhäuser. Damit wurde wirkungsvoll verhindert, dass Leprakranke und andere Aussätzige nicht im Ort herumlungerten oder sogar Leute ansteckten.
Heute haben wir die Lepra und andere ansteckende Krankheiten besiegt. Trotzdem bestehen bei uns in Grenchen immer noch Gruppierungen, die das Ortsbild stören und die Bewegungsfreiheit ehrwürdiger Bürger einschränken. Es ist dies die Szene der Arbeits- und teilweise Obdachlosen und Alkoholiker und Drogensüchtigen.
Wie können wir dieser Problematik begegnen? Polizei und Stadtverwaltung sehen sich nicht in der Lage, dem Problem Herr zu werden, fehlen ihnen doch die gesetzlichen Grundlagen. Was können wir als Einzelne tun, um die Situation zu verbessern?

Sicher, es ist nicht jedermanns Sache, die direkte Konfrontation zu suchen. Aber wollen wir denn einfach die Faust im Sack machen und den Marktplatz einfach so aufgeben? Viel wirkungsvoller wäre es, Terrain gut zu machen und erst recht den Platz in Anspruch zu nehmen, um eine weitere Ausbreitung der dort ansässigen Szene zu verhindern.

Deshalb hier mein Aufruf: „Erobern“ wir unseren Marktplatz zurück. Tun wir so, als wäre es ganz normal. Es wird sich bessern. Sobald nördlich des Marktplatzes wieder Pétanqe gespielt wird, attraktive Spielgeräte für Kinder bis ca. 12 Jahre aufgestellt und diese auch genutzt werden. Wenn Imbissstände und Gartenbeizli Leute anlocken zu verweilen, Strassenmusikanten ein Ständchen bringen, dann ist der Marktplatz wieder lebendig und man fühlt sich wohl.

Aber eben. Lieber lamentieren wir und beugen uns einer Minderheit, welche sich nicht an uns anpassen will oder kann. Ich kann niemanden verurteilen und will es auch gar nicht. Aber es passt halt nun mal zu unserem Zeitgeist, die Faust im Sack zu machen.

Christoph Feremutsch, Grenchen

Kommentare
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Mit der Aufklärung im 18 Jh. wurden Gott sei Dank nicht nur die Siechenhäuser abgeschafft, sondern auch die Praxis, kranke Menschen auszugrenzen. Eine weitere Errungenschaft dieser Epoche war die Deklaration der Menschen- und Bürgerrechte, die den Leprakranken, Arbeits- und teilweise Obdachlosen und Alkoholiker und Drogensüchtigen die gleiche Bewegungsfreiheit garantiert wie den scheinbar ehrwürdigen Bürgern.
Es schockiert mich welch menschenverachtendes Gedankengut hier eine Plattform findet.
#1 Ricardo Tuafluski am 06.07.2007 23:08 (Antwort)
Ich weiss nicht, wo sie hier menschenverachtendes Gedankengut sehen. Herr Feremutsch ruft dazu auf, dass sich die Grenchner Bürger den Marktplatz zurückerobern.
Das ist doch der einzig richtige Weg. Wenn wir das nicht machen, wird unser Stadtzentrum schon bald verslumt sein. Schon heute getrauen sich gerade ältere Leute nicht mehr auf den Marktplatz. Wollen wir das?
#1.1 Sperisen am 07.07.2007 08:46 (Antwort)
Im Titel des Briefes und in der Einleitung werden die Menschen aus dieser sogenannten Marktplatzszene mit den Aussätzigen im Mittelalter verglichen, ja sie werden sogar die neuen Aussätzigen genannt. Damit wird doch eindeutig suggeriert wie man mit diesen Leuten eigentlich zu verfahren hätte, man sollte sie ausgrenzen, aus der Stadt verbannen oder gar wegsperren, wie man das früher mit Leprakranken machte, welche in der Stadt "herumlungerten". Dieses Gedankengut halte ich für menschenverachtend.
Gegen die Idee den Grenchenr Marktplatz mit positiven Aktionen zu beleben habe ich nichts einzuwenden.
#1.1.1 Ricardo Tuafluski am 07.07.2007 14:25 (Antwort)
So gesehen haben sie recht. es ist wohl nicht richtig diese Leute mir Aussätzigen zu vergleichen. Sie sind ja krank und man müsste ihnen helfen. Mit Vertreibungen kann man dieses Problem sicher nicht lösen.
#1.1.1.1 Sperisen am 07.07.2007 15:57 (Antwort)
Du hast vollkommen Recht,man sollte diesen Menschen helfen....helfen,kein schlechtes Vorbild für unsere Jugendlichen und Kindern zu sein...wie oft musste ich das Thema mit meinen Kindern schon diskutieren beim Vorbeigehen,weil wir nicht einfach wegschauen. Es ist ja sogar positiv,wenn man auch über solche Sachen spricht.Ich kann dann nicht nur sagen,man sollte Ihnen helfen, oder diese müssen mir aus den Augen....ich muss doch Vorschläge bringen.....das spüre ich auch als Problem.Keiner will, ( darf ) handeln. Ich war erstaunt über die Plakate,es ist alles erlaubt,was nicht stört.....die Plakate hätte man sich sparen können....es wird sehr viel gemacht auf dem Märetplatz was stört, zum Beispil Hunde in den Bauch stopfen und den Hund als " kapute Siech " anschreien. Wie der Meister so der Hund oder? Genau Solches stört mich nicht nur,das tut mir und meinen Kindern sehr weh. Aber trotz schönen Plakaten passiert nichts....Meine Idee wäre diesen Menschen eine Aufgabe zu geben,sie von der Langeweile wegbringen. Waldarbeit,Feldarbeit.....sonst Kürzung der Gelder. Habe aber auch gehört,wie die junge Frau auf dem Märetplatz plagiert hat, lautstark, bald habe ich IV Rente. Na BRAVO!!! übrigens bei schlechtem Wetter wird das Bänklein bei der Bushaltestelle belagert und die gebrechlichen Leute müssen stehen oder die Invaliden. Bitte macht nicht auf Mitleid....es hat Jeder die Chance aus dieser Sucht heraus zu kommen,auch mit Entzug im Spital.
#1.1.1.1.1 Ursula Müller am 25.10.2007 11:53 (Antwort)
Mit Alki-Stüblis, Obdachlosenschlafplätzen wohl eher gar nicht ...
#2 Doofi am 08.07.2007 19:15 (Antwort)
Ziemlich asozialer Leserbrief..
#3 Teddy am 08.07.2007 22:57 (Antwort)
Hilfe! - wer will da wie helfen?

Und überhaupt: Der öffentliche Boden gehört allen; vonwegen den Marktplatz zurück erobern - ich scheine zu träumen, aber ganz ehrlich werden da Weltanschauungen vertreten, da rieselt es mir eiskalt den Rücken runter. Es riecht stark nach "Gleichschaltung". Wo sind denn die Outfitkommandanten, die festlegen, wer sich wie benehmen dürfe.

Wer mit dem Finger auf andere zeigt, zeigt mit 4 Fingern auf sich selber, sagt ein italienisches Sprichwort. Seien sie doch bitte so tolerant, und lassen uns in Frieden mit ihrer geheuchelten Anteilnahme!

Besser wäre es miteinander zu reden, statt übereinander, da könnten Einsichten gewonnen werden, Sie würden stauenen, da bin ich mir sicher.

Erlaubt ist, was nicht stört - ein heikler Satz, der alle, die nicht ins Schema passen, vogelfrei erklärt, und gesellschaftlich Gescheiterte weiter stigmatisiert und ausgrenzt.

Sehen sie bloss meinen Fall: Ich fühle mich durch die dauernde Polizeipräsenz in der Stadt subtil überwacht - andere fühlen sich dadurch "sicherer". Das ist die Spannweite unserer Gesellschaft, und das Stadtdach wird das wohl noch aushalten.
#4 hanspeter am 19.03.2008 15:09 (Antwort)

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