Treffen der regionalen Energieversorger zum Thema Klimapolitik
Freitag, 31. August 2007
in Grenchen
Per Just (SWG) und Urs Böhlen (AEK) nutzten die Gelegenheit zum Informationsaustausch. (Foto: Paul-Georg Meister)
(Paul-Goerg Meister) - Klimapolitik im Umbruch – Was ist zu tun? Wie steht es um unsere Energiereserven? Mit diesem Fragen befassten sich Vertreter der regionalen Energieversorger, der Energieproduzenten und regionalen Gemeinden. Sie liessen sich dabei aus erster Hand informieren.
Im Moment sei noch genügend Energie vorhanden, sagte Marcel Kreber vom Verband Schweizerische Gasindustrie am traditionellen „Mobi-Cat-Anlass“, zu dem sich Vertreter der regionalen Energieversorger BKW FMB Energie AG, AEK Energie AG, Städtische Werke Grenchen und Talus Informatik AG sowie Vertreter der regionalen Gemeinden jedes Jahr finden, um Fragen rund um die Energieversorgung und -sicherheit zu diskutieren.
Das diesjährige Referat von Marcel Kreber stand unter dem Titel „Klimapolitik im Umbruch, was ist zu tun?“ Anhand von Statistiken zeichnete Kreber die immense Steigerung des Energieverbrauchs in den letzten 100 Jahren nach. Noch heute wird rund 56 % aller Energie aus Erdöl gewonnen. Vor allem im Bereich der Treibstoffe sei in den letzten Jahren eine sehr grosse Zunahme feststellbar, während die Verwendung Erdöl zu Heizzwecken ganz klar abnehmend sei.
Keine Angst vor China
Gemäss Marcel Kreber reichen die weltweiten Erdölvorkommen derzeit noch für rund 60 Jahre. Dies vor allem auch deshalb, weil als Folge der Klimapolitik immer mehr Energie gespart wird. „Auch wenn, wie in verschiedenen Prognosen immer wieder dargelegt wird, der Energieverbrauch von China bis zum Jahr 2030 um 400 Prozent zunehmen wird, ist dies noch kein Grund zur Panikmache“, unterstrich der Referent. Wenn China bis zum Jahr 2030 tatsächlich eine Steigerung vom 400 % aufzuweisen habe, so werde das Land noch immer nur rund 15 bis 20 % der Energiemenge der OECD und Nordamerika verbrauchen . „Das Problem“, so Kreber, „liegt nicht in China oder in Ost-Asien, das Problem liegt in Europa und Nordamerika.“ Eine angemessene Energiepolitik, die vor allem auf einem sparsamen Umgang mit den vorhandenen Ressourcen basiere, sei mehr denn je notwendig.
Und genau hier müsse eine vernünftige Energiepolitik ansetzen, zeigte sich Kreber überzeugt. Mit den internationalen Übereinkommen wie etwa der Klimakonvention und dem Kyoto-Protokoll, mit dem Energieartikel in der Bundesverfassung, dem Mineralölsteuer-Gesetz, dem Energie- und Stromversorgungsgesetz und mit allen anderen Regelungen auf Bundesebene seien – zusammen mit den Anstrengungen auf kantonaler Ebene – die Voraussetzungen geschaffen, dass in der Schweiz eine nachhaltige und sinnvolle Energiepolitik betrieben werden könne.
Vernünftiger Umgang mit Energie ist gefragt
Als Beispiel nannte er das Mineralölsteuer-Gesetz, mit dem der Einsatz von Erd- und Biogas als Treibstoffe nachhaltig gefördert werden könne, indem man diese steuerlich nicht so hoch belaste wie Benzin und Diesel. Dabei könne gerade für das Klima viel erreicht werden. So sei der CO2-Ausstoss bei Erdgas um 25 % tiefer als bei Benzin, Biogas sei sogar CO2-neutral. Zudem würden beide Treibstoffe keine Russpartikel verursachen und praktisch keine Stickoxyde produzieren, die für die Ozonbildung verantwortlich sind.
Einen wichtigen Aspekt im Zusammenhang mit dem vernünftigen Umgang mit Energieträgern ortete der Referent schliesslich bei den Heizungen. „Noch heute wird teilweise viel in Heizungen investiert“, erklärte er, „dabei müssten die Gebäudehüllen saniert werden, um den Energieverbrauch zu drosseln.“ Vor allem Wärmeverluste würden zu einem hohen Energieverbrauch und zu hohen Heizkosten führen, meinte Kreber weiter.
Deshalb könne auch nicht einfach gesagt werden, Erdgas sei der beste und billigste Energieträger zu Heizzecken. „Wer in ein neues Heizsystem investieren will (oder muss) sei heute gezwungen, im Einzelfall die einzelnen Möglichkeiten zu evaluieren und zu prüfen. Unabhängig vom Systementscheid sei vor allem eine gute Isolation und eine richtige Dimensionierung des Heizsystem von grosser Bedeutung. Dennoch kam Kreber zum Schluss: „In dicht besiedelten Gebieten bietet Erdgas, idealerweise mit Sonnenkollektoren kombiniert, nach wie vor die beste Ökoeffizienz.“
Im Anschluss an das Referat war Gelegenheit zum Gedankenaustausch und zur Fachdiskussion mit dem Vortragenden gegeben. Der Mobi-Cat-Anlass wird seit einigen Jahren von den regionalen Energieversorgern organisiert und soll Entscheidungsträgern aus Politik und Verwaltung die Gelegenheit geben, sich aus erster Hand über aktuelle Fragen der Energiepolitik und -versorgung informieren zu lassen.



