Reaktionen auf die Nationalratswahlen: "Eine Katastrophe für Grenchen"
Donnerstag, 25. Oktober 2007
in Politik
(Bild: Kurt Brodbeck, www.pixelio.de)
Dass die Stadt Grenchen für die kommende Legislaturperiode keinen Vertreter nach Bern entsenden kann, wird allgemein bedauert. Deutliche Worte gebraucht etwas Ruedi Spielmann, Präsident des Gewerbeverbandes der Stadt Grenchen, den wir in seinen Ferien in Kreta erreichen konnten. “Für unsers Stadt ist das eine richtige Katastrophe” ist Spielmann überzeugt. “Vor allem in Fragen wie dem öffentlichen Verkehr, bei der Wirtschaftsförderung und im Wohnungsbau wäre es sehr wichtig, dass Grenchen in Bern einen Vertreter oder eine Vertreterin hat, die sich für ihre Interessen einsetzt.” Für Spielmann ist auch klar, dass dieses Resultat für das örtliche Gewerbe nicht von Vorteil ist. “Irgendwie wird es auch das Gewerbe zu spüren bekommen”, ist Spielmann überzeugt.
Enttäuscht zeigt sich auch Thomas Furrer, Präsident der SP Grenchen. “Ich bin natürlich sehr enttäuscht”, gibt er zu Protokoll. “Boris Banga hat in Bern direkt und indirekt viel für unsere Stadt erreichen können. Vieles davon geschah nicht unbedingt im Vordergrund, aber es hat Grenchen viel gebracht.” Dass Grenchen mit der Abwahl von Boris Banga viel verloren hat, sieht Thomas Furrer auch durch diverse Gespräche bestätigt.
“Als das Resultat feststand habe ich mit vielen Politikerinnen und Politiker gesprochen. Alle haben Boris Banga, seinen Einsatz und seine Fachkenntsnisse geschätzt.” Furrer ist deshalb auch überzeugt, dass Boris Banga seine Beziehungen, die er in den letzten 12 Jahren geknüpft hat, weiter wird spielen lassen können. “So kann der Schaden wohl ein wenig in Grenzen gehalten können.”
Auch Marcel Boder, Gemeinderat der SVP, ist überzeugt, dass diese Entwicklung - wie sie nun eingetreten ist - für Grenchen nicht von Vorteil ist. “Meine Befürchtungen sind eingetroffen. Nun ist Grenchen nicht mehr in Bern vertreten, und das ist schlecht”, resümiert Boder. “Ich hätte am liebsten Banga und Müller zusammen im Nationalrat gesehen”, meint er, “doch dass keiner von beiden den Sprung nach Bern schaffte, dass ist für die Stadt mehr als negativ und hilft eigentlich niemandem”.
Auch die CVP-Präsidentin Bea Corti ist überzeugt, dass Grenchen viel verloren hat. "Wenn man bedenkt, dass doch einige interessante Ämter etc. den Weg nach Grenchen gefunden haben weil wir einen Nationalrat haben. Denke ich, dass man weniger im Gespräch ist wenn ein Standort gesucht wird. Ich kann mir aber auch vorstellen, dass wenn die direkte Beziehung zum Nationalrat nicht mehr da ist, wir selber wieder mehr tun müssen um Grenchen interessant zu machen damit wir noch mehr Firmen etc. in unsere Industriezone bringen können. Da Boris Banga ja sicher die guten Kontakte weiter pflegen wird sehe ich hier gleichwohl noch Potential."
Mit ihrem Einschätzungen stehen Spielmann, Furrer, Corti und Boder nicht alleine da. Viele Grenchner/innen bedauern das Resulat und sehen auf die Stadt nun schwierigere Zeiten zukommen.
Die Grenchner Kulturpreisträgerin Iris Minder drückte dies in einem Kommentar in Internetportal www.grenchen.net treffend aus. Sie schrieb: “Grenchen hat verloren, wir alle haben verloren, gleich welcher politischer Färbung wir sind. Grenchen und seine Region hat durch Boris Banga einen hervorragenden Politiker in Bern verloren. Wir sind nicht mehr vertreten. Es gibt also nicht den geringsten Grund zu triumphieren...”
Eine Einschätzung, die sicher nicht alle, aber ohne Zweifel viele Grenchner/innen mit ihr teilen.




Ich glaube das kaum!
Der Einfluss eines Nationalrates wird vielfach überschätzt und überbewertet. Für mich war eine Nationalrat Banga ein „nice to have“. Damit will ich die Arbeit von Boris Banga in Bern nicht schmälern oder gar schlechtmachen, aber ein Blick in die Datenbank der Parlamentarischen Vorstösse zeigt klar, Banga’s Stärken und Einflussnahme waren zu über 90 Prozent bei der Armee und deren anverwandte Gebiete. Das zeigen auch die Mitgliedschaften in der Aussenpolitischen Kommission und der Sicherheitspolitischen Kommission.
Was hat das nun mit der Stadt und Region Grenchen zu tun?
Nichts! Die Stadt Grenchen ist kein Armeewaffenplatz, wir haben auch keine eigentliche Rüstungsindustrie und ein Gewerbe, das sich mit Sicherheit befasst, befindet sich auch nicht in Grenchen. Natürlich war es das Recht von Boris Banga und gewissermassen auch seine Pflicht, sich in Bern in denjenigen Gebieten zu behaupten, wovon er was versteht. Hier aber, aufgrund seiner Abwahl, gleich eine Katastrophe für Grenchen heraufzubeschwören, schiesst weit über das Ziel hinaus.
Was bleibt?
Nun, ich denke, eine starke Einflussnahme im Kantonsrat bringt wesentlich mehr für die Stadt. Das heisst also vorwärts machen in Richtung Kantonsratswahlen. Und vielleicht denken viele Grenchnerinnen und Grenchner darüber nach, dass wirkliche Stärke von Innen, sprich aus der Stadt, aus seinen Einwohnern kommt.