Bevölkerungsbefragung in Grenchen - 87 Prozent fühlen sich wohl in ihrem Quartier
Dienstag, 30. Oktober 2007
in Grenchen
Claude Barbey und Boris Banga präsentieren die Umfrageresultate. (Foto: Sabine Waelti)
Es ist wohl kaum jemanden in unserer Region entgangen: In den Städteratings der letzten Jahren kam Grenchen bezüglich Lebensqualität immer ganz schlecht weg. In der ersten Hälfte dieses Jahres befragte die Stadt Grenchen ihre Einwohnerinnen und Einwohner nun selbst anhand eines Fragebogens, wie sie sich in ihrem Quartier und in ihrer Stadt fühlen.
Der Gemeinderat habe beschlossen, als Kernpunkt des Businessplans der Stadt das Ziel zu verfolgen, Grenchen als Wohnstadt attraktiver zu machen, erklärt Stadtpräsident Boris Banga. So entstand das Projekt „Wohnstadt Grenchen“. Kernpunkt dieses Projekts war eine Bevölkerungsumfrage, welche unter der Leitung der Fachhochschule Nordwestschweiz durchgeführt wurde.
Nun sind die Resultate da. 3500 Personen erhielten einen Fragebogen zugeschickt, 1073 sandten ihn ausgefüllt an die Stadtverwaltung zurück. Die Befragung könne somit als repräsentativ gewertet werden, sagt Lukas Walter vom Bundesamt für Wohnungswesen und vom KulturHisorischen Museum Grenchen.
In den zurück gesandten Fragebogen kommt die Stadt deutlich besser weg als in den oben genannten Ratings: 47 Prozent der Befragten gaben an, sehr zufrieden zu sein mit ihrem Quartier, 40 Prozent schrieben, sie seien zufrieden. 13 Prozent sind „eher unzufrieden“ oder „sehr unzufrieden“. Als positiv werteten viele der Befragten die Anbindung an den öffentlichen Verkehr – wobei in der gestellten Frage jedoch keine Differenzierung zwischen Bahn und Bus gemacht wurde - , die Grundversorgung, die Naherholungsgebiete, die Einkaufsmöglichkeiten und Grenchens Lage.
Stadtpräsident Boris Banga zeigt sich erfreut über dieses Resultat. „Aber“, fügt er an, „Die Untersuchung zeigt auch: Wir können uns klar verbessern.“ Denn in den Antworten wurde durchaus auch Kritik geübt. Als Negativpunkt oder gar als Wegzugsgrund wurde vielfach der Verkehrslärm genannt. Hier wolle die Stadt noch mehr machen, so Banga. Und Stadtbaumeister Claude Barbey sagt: „Es ist wichtig, dass wir Lenkungsmassnahmen haben in dieser Hinsicht.“
Dass es gar nicht so einfach ist, den Wünschen der Bevölkerung gerecht zu werden, zeigen die Antworten auf die Frage, ob in allen Grenchner Quartieren Tempo 30 eingeführt werden solle: Hier gibt es unter den Befragten etwa gleich viele Gegner wie Befürworter.
René Götz, Delegierter für Wirtschaftsförderung der Stadt, sieht aufgrund der Ergebnisse auch Einkaufsbereich Handlungsbedarf, und zwar im Bereich der Güter, welche das Segment „Ausserhalb des täglichen Bedarfs“ abdecken: „Wir sind daran, genauer anzuschauen, wie wir hier vorgehen können und was realisierbar ist.“ Er geht davon aus, dass im März des nächsten Jahres weitere Vorgehensweisen feststehen.
Lukas Walter erwähnt einen weiteren Kritikpunkt: „Viele haben das Gefühl, dass sich die Leute in Grenchen zu wenig engagieren und zuwenig Gemeinsamkeit besteht.“ Diesbezüglich sei geplant, einen Fonds für Quartierprojekte und ähnliches einzurichten.
„Als Hauptzuzugsgrund wird die Arbeit genannt“, gibt Stadtpräsident Boris Banga zu bedenken. Hier müsse man noch am Image der Stadt arbeiten. Es sei wichtig, qualifizierte Leute hierherzubringen und auch hier behalten zu können.
Erstaunt zeigt sich Boris Banga darüber, dass viele der Befragten die Verwaltung als weit weg empfinden. Er habe seine Sprechstunden bisher für das geeignete Mittel gehalten. Wahrscheinlich müsse er noch mehr Sprechstunden anbieten und selbst in die Quartiere gehen, so der Stadtpräsident.
Einblick in die gesamten Ergebnisse der Befragung wird demnächst das KulturHistorische Museum geben: Vom 1. November 2007 bis zum 24. Februar 2008 ist dort die Ausstellung „Grenchen nein danke – ich wohne gern in meinem Quartier“ zu sehen. Dort haben die Gäste die Möglichkeit, ihre Verbesserungsvorschläge und Wünsche anzubringen. Diese will die Stadt in die Planung konkreter Massnahmen einbeziehen.



