Vom Bunker zur Betreuungsstelle für Personen in Notlagen

Mittwoch, 28. November 2007 in Grenchen
Stefan Cotting,, Chef der Betreuung, erklärt die neue Aufgabe der Betreuungsstelle «Einschlag» in Bettlach. (Foto: zvg)

(RZSO Grenchen) - Die Betreuungsstelle in der Zivilschutzanlage „Einschlag“ in Bettlach bekommt eine neue Aufgabe. Stefan Cotting, Chef Betreuung, nimmt mit zwölf Mitgliedern seiner Einheit die Umstellung der Anlage in Angriff. Für die neue Aufgabe geht der Zivilschutz nicht mehr vom Kriegsfall aus, sondern legt seine Priorität klar auf zivile Unglücksfälle wie Naturereignisse und Brände in Mehrfamilienhäusern oder Pflegeheimen.
„Die Anlage kann bei Bedarf bis zu 100 Personen kurzfristig eine Unterkunft bieten“, erklärt Stefan Cotting. Er bereitete mit einer Gruppe die Bettlacher Zivilschutzanlage «Einschlag» auf ihre neue Aufgabe als Betreuungsstelle vor. Dabei geht er davon aus, dass die Unterkunft nur kurzfristig benutzt wird, dafür aber rasch zur Verfügung stehen muss. Die betroffene Personen bleiben im Regelfall nur einer Nacht in der Anlage. „Beispiele sind Brände von Mehrfamilienhäusern oder ein plötzlicher und heftiger Schneefall, wie kürzlich, als Autofahrer auf der Autobahn eingeschneit wurden“, erklärt Cotting. „Diese Leute werden am nächsten Morgen meist andere Unterkunftsmöglichkeiten finden oder weiterreisen.“

Polizei und Feuerwehr können die Alarmierung auslösen. Für Einsätze stellt die Regionale Zivilschutzorganisation (RZSO) Grenchen bis zu 40 Personen als Betreuer zur Verfügung. Die Dienstleistenden stammen aus ganz verschiedenen Berufen, darunter auch Informatiker. Die Mitglieder der Betreuungsgruppe haben denn auch eher organisatorische als pflegerische Aufgaben. Dazu gehört die Erfassung der Personalien der Betroffenen, die eine Evakuierungskontrolle und die Information der Angehörigen erlaubt. Zusätzlich stehen auf Abruf Köche und Anlagenwarte zur Verfügung, aber auch ein psychologisch geschultes Care-Team. Als Lebensmittel sollen nur Teigwaren, Reis, Suppen und Tee gelagert werden, da längere Aufenthalte nicht vorgesehen. Weitere benötigte Dinge sind in den Geschäfte in der Umgebung vorhanden. Auch medizinische Leistungen werden – im Gegensatz zur früheren Aufgabe der Anlage – nicht angeboten. Dieses Angebot decken die niedergelassene Ärzte und Spitäler vollumfänglich ab. Ihre Leistung ist in einem Katastrophenfall im Gegensatz zu einer kriegerischen Intervention nicht beeinträchtigt.

Die Zivilschutzanlage «Einschlag» wurde 1973 erbaut und befindet sich unter dem gleichnamigen Schulgelände in Bettlach. Sie ist die grösste der Zivilschutzanlagen Grenchen, Bettlach und Selzach und wird als einzige ständig geheizt um sie bewohnbar zu halten. Konzipiert wurde die Anlage ursprünglich als Sanitätsstelle mit zwei integrierten Operationssälen. Bis vor kurzem wäre die Anlage allerdings kaum einsatzbereit gewesen, da sie als Lagerort für älteres Zivilschutzmaterial verwendet wurde. Die Anlagenwarte räumten in den letzten drei Jahren einen Grossteil dieses Materials. So findet sich aktuell nur noch im hintersten Winkel vereinzelt Gerät, das auf vergangene, kriegerisch orientierte Zeiten hinweist. Weggeräumt wurde unter anderem auch Babypuder und seit 15 Jahren abgelaufenes Desinfektionsmittel, wie ein Mitglied der Betreuungsgruppe schmunzelnd berichtet. Auch die riesigen Wassertanks, die früher ein Überleben abgeschnitten von der Aussenwelt hätten ermöglichen sollen, wurden ausgebaut.

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